Kinder – Spieltherapie

Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist,

und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“

(Friedrich Schiller, 1759-1805)

Spieltherapie gilt als ein psychotherapeutisches Verfahren, welches speziell in der Heilpädagogik einen zentralen Stellenwert einnimmt. Es bietet dem Kind/ Menschen einen Raum, um seine eigene Situation darstellen, darin (unbewusste) Themen entdecken und damit verbundene Schwierigkeiten/ Möglichkeiten erkennen zu können. Somit können neue Lösungswege szenisch erspielt werden.

Innerhalb der Spieltherapie kann das Kind mittels verschiedenster Spielmaterialien (z. B. Naturmaterialien, Sand, Ton, Buntstiften, Handpuppen, Gesellschaftsspielen, Bällen, Tüchern, Seifenblasen etc.) lernen, sein Erleben nachzuempfinden, eigene Gefühle zu erkennen und zu verarbeiten sowie die eigenen Triebe und Ansprüche in Resonanz zum Gegenüber wahrzunehmen, worüber eine Erhöhung der Frustrationstoleranz und Weiterentwicklung der Persönlichkeit befördert wird.
Dieser Prozess gelingt so gut, wie Humor und andere Emotionen darin erlebt und verarbeitet werden können.

Das ganze Leben, als “Bühne“ aufgefasst, stellt eine Projektionsfläche dar. Also kann jeder Lebensausdruck gedeutet und (zur Selbsterkenntnis) genutzt werden. Bewegung, Sprache, Tätigkeit, Beziehungen etc. drücken immer auch (m)eine Befindlichkeit aus.

Mir selbst oft nicht erkennbar, habe ich doch im und über das Spiel die Möglichkeit mehr Bewusstheit über (meist) unbewusst vorhandene Themen zu erreichen.

Im Kontext der Verhaltenstherapie bieten sich viele spieltherapeutische Möglichkeiten, um beim Kind einen Lernprozess zu bewirken. So kann direkt/indirekt, vorwegnehmend/nachbearbeitend, aktiv/passiv, fordernd/lindernd und gefühlsfördernd/ -mindernd u. v. m., also variabel, auf das Kind eingegangen werden. Dabei wird jeweils der aktuelle Entwicklungsstand des Gegenübers berücksichtigt.

Für die spieltherapeutische Begleitung bildet Echtheit, Einfühlungsvermögen und Beziehungsfähigkeit die Grundlage für die Einlassung und Öffnung/Entwicklung des Kindes auf den Spieltherapieprozess. Weitestgehend bleibt das Spiel frei von Wertungen und Beeinflussungen, um dem Kind seine eigenen Entwicklungsschritte zu ermöglichen. Dies verlangt therapeutische Sensibilität und Zurückhaltung. Dabei gilt die Wahlfreiheit des Kindes als ein Wirkfaktor. Der Therapeut bietet Hilfestellung zur Verarbeitung verhaltensproblematischer Situationen an und behält sich gezielte und geplante therapeutische Interventionen im Bedarfsfall vor, um den Kindern neue Fähigkeiten, Kenntnisse und angemessenere Verhaltensweisen zu vermitteln. Dafür wird die Gefühlswelt des Kindes in den Blick genommen und werden zukünftige Perspektiven und Lösungsstrategien ermittelt.

Wie in einem Spiegel lernt das Kind dann, sich selbst zu erkennen, ernst genommen und geachtet zu werden und eigene Rechte wahrzunehmen. Selbstwirksamkeitsfaktoren können gefördert, Ressourcen aktiviert und Selbstsicherheit (wieder)erlangt und verstärkt werden.

Indikationen für die spieltherapeutische Vorgehensweise stellen alle problematischen Verhaltensweisen und Beziehungsherausforderungen von Kindern und Jugendlichen in ihren Bezügen dar. Diese können als Überforderungssituationen, Hilflosigkeit sowie als sogenannte Bewältigungsstrategie der Kinder aufgefasst werden. Darunter fallen Indikationen wie z. B.: Auffälligkeiten im Sozialverhalten bzw. emotionalen Erleben, Aggressionen, Misshandlungen und andere negative (Schock)Erlebnisse, Vernachlässigung, Rückzugsverhalten, Geschwisterrivalität, (Trennungs)Ängste, depressives Erleben und andere psychische Auffälligkeiten.

Demgegenüber können persönliche Passungen und Chancen mit Leichtigkeit durchgespielt und idealerweise Last(en) von der Seele weggespielt werden. Dies schafft Zufriedenheit und Zuversicht.